Mit dem Fidibus auf Reisen

Autor: Matthias (Seite 3 von 3)

Tag zwei

Noch 1300 km bis Tromsöya

Ich wache von dem Trommeln des Regens auf das Dach meines FidiBus auf. Der Wetterbericht hatte recht. Es ist halb fünf am Morgen und draußen ist es bereits wieder hell. Das Trommeln des Regens wirkt auf mich beruhigend und einschläfernd und als ich das zweite Mal erwache, ist es halb acht. Es geht nichts über einen ruhigen und tiefen Schlaf. Von der Reise gibt es nicht viel zu berichten. Auf meinem Weg liegt gleich zu Beginn die Ruine des Zisterzienserklosters von Alvastra aus dem Gründungsjahr 1143.
Die Route E4 ist wegen Sprengarbeiten gesperrt und ich weiche ein wenig weiter nach Westen aus. Landschaftlich ist es hier sehr lieblich, trotz weiter sinkender Temperatur. Kurz hinter Söderhamn suche ich mir einen Schlafplatz und werde an der Küste des Bottnischen Meerbusens zwischen Gävle und Sundsval auf einer kleinen Halbinsel fündig. Der Weg führt über eine vierzehn Kilometer lange Schotterpiste, aber es lohnt sich. Links und rechts leuchten im Wald noch einige Schneereste. Von grünen Bäumen ist außer bei den Fichten noch nichts zu erkennen. Meteorologisch bin ich wieder Mitte März gelandet. Vor mir öffnet sich die Schärenlandschaft, ein paar vereinzelte Häuser stehen am Ufer und im leicht bewegten Wasser schaukelt hier und da ein Ruderboot. Es ist ruhig und friedlich.
Es ist viertel vor zehn und die Dämmerung bedeckt langsam die Bucht und meinen FidiBus.

Es geht los!

Nach einem Zwischenaufenthalt in Reinbek und Launburg mache ich mich am 6. Mai auf den Weg Richtung Dänemark. Durch eine Landschaft voller goldener goldene Rapsfelder und frischgrüner Wälder cruise ich auf verwinkelten Landstraßen dahin und weiß manchmal nicht einmal mehr, ob ich überhaupt noch in der richtigen Richtung unterwegs bin. Irgendwann hören die Wälder auf. Stattdessen breiten sich nun weite Felder vor mir aus und nach zweieinhalb Stunden sehe ich das erste Hinweisschild nach Puttgarden Fährhafen und nur wenig später fahre ich an den automatischen Check-In Automaten. Wie leicht doch alles geht, QR-Code einlesen und schauen, ob ich noch am selben Abend übersetzen kann. Gleich zwei Irrtümer überzeugen mich davon, dass nicht so funktionieren muss, wie man es sich ausdenkt. Erstens funktioniert der Check-In nicht mit dem QR-Code, den ich samt Ticket auf meinem Smartphone abgespeichert habe, sondern ich muss einen Bar-Code vorweisen, der nur auf dem gedruckten Ticket zu finden ist. Ich finde, das ist wie eine E-Mail, die ich ausdrucken und verschicken muss, damit sie ihren Empfänger erreicht. Alternativ kann ich die Buchungsnummer von Hand eingeben. Das klappt erstaunlich schnell. Erstaunlich ist jedoch die Nachricht, die sich darauf auf dem Display zeigt. ‚Sie haben 80 Euro bezahlt. Offene Bezahlung 64 Euro‘. Das ist der Aufpreis für die Umbuchung auf eine fast leere Fähre. Nie und nimmer! Rückwärts schleiche ich mich aus der Reihe, nötige einige geduldige Autofahrer ebenfalls zu einem Rückzugmanöver und peile einen Übernachtungsplatz an, den mir die kluge App iOverlander empfiehlt. Zehn Euro auf einem Strandparkplatz inklusive Toilette und Übernachtung. Leider stimmte das wohl zum Zeitpunkt des Eintrages 2021 noch; heute prangt neben dem Parkplatzschild jedoch ein noch größeres, dass darauf verweist, dass Übernachtungen nicht und unter keinen Umständen erlaubt seien. Also wähle ich die nächste Alternative, einen Campingplatz im Ort Altenteil. Ja, dieser Ort heißt tatsächlich so und er macht seinem Namen alle Ehre. Um 21 Uhr ist sämtliches Leben von den Straßen gewichen und das Licht ist aus den Fenstern erloschen wie das Leben dieses Dorfes. Der Campingplatz allerdings ist vorhanden. Laut Beschreibung bei iOberlander kostet er drinnen zwanzig und draußen vor der Schranke für ‚Overnight-Gäste‘ zehn Euro. Etwa fünf junge Menschen, die Betreiber, wie sich herausstellt, haben sich jedoch soeben entschlossen, fröhlich lachend die Rezeption zu verlassen. Online Check-In ginge noch für eine halbe Stunde, wenn ich Netz finde. Ich fand! Zwei Minuten vor Ablauf der Frist und zu einem Preis von siebzehn Euro parke ich meinen FidiBus in die beschriebene Bucht, die ich auf eigene Initiative hin ein wenig erweitere, indem ich den Zaun zum Strand ignoriere, worauf ich umgehend von einem grimmigen Surfer hingewiesen werde. Wie dem auch sei, der Platz hat Ostseeblick und hervorragende Sanitäranlagen.
Der 7. Mai beginnt um 6:45 Uhr mit einem Kaffee und sauerer Kaffeesahne, er lässt sich bequem an und endet in Hektik, weil ich mal wieder die Zeit verträume. Im letzten Augenblick bewältige ich das Check-In-Verfahren für die Fähre, bekomme, weshalb auch immer eine Zusatzzahlung von sechzehn Euro von meiner Kreditkarte abgebucht und dann schaukele ich in fünfundvierzig Minuten nach…Die zweite Fähre schippert mich von Helsingör nach Helsingborg. Und dann bin ich in Schweden. Die erste Übernachtung in Schweden ist am Vättern-See. Erst stehe ich hier allein, später gesellt sich Cornelia, eine schwedische Ärztin dazu, die auf der Wiese ihr Zelt aufbaut. Ich spendiere ein Glas Wein, richte ein Feuer her und wir unterhalten uns noch eine Weile.
Und nun sage ich: Gute Nacht!

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