Mit dem Fidibus auf Reisen

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Riga, ganz entspannt

Heute scheint die Sonne und es verspricht ein warmer Tag zu werden. Genau richtig für einen weiteren Stadtrundgang. Die kaputte Hose habe ich in meine Kleiderkiste verbannt, die neue Hose ist auf Löcher und Fluchtwege untersucht und ich bestelle mir wieder ein Taxi. Die App zeigt mir einen Preis bis zum Jugendstil-Quartier, zwanzig Minuten Fahrzeit, von einem Euro und achtzig Cent und eine Wartezeit von 2 Minuten. Alle Angeben stimmten exakt. Direkt vor dem Jugendstil-Museum ließ ich mich in der Alberta Iela absetzen. Das Taxi entfernte sich und meine Verlier-App verhielt sich ruhig. Vorsichtshalber überprüfe ich selbst noch einmal alles. Autoschlüssel im Rucksack, Portemonnaie in der Tasche, Ersatzschlüssel am Bus. Prima. Dann also los. Die Alberta Iela ist wohl die bekannteste Straße des Jugendstilzentrums. Hier stehen die schönsten und am besten renovierten Häuser dicht an dicht. Allerdings auch nur auf einer Straßenseite. Die andere Seite ist ein wenig unspektakulärer, sieht man einmal von der Residenz der Botschaften Österreichs und Irlands ab, die ebenfalls in einem prachtvollen Gebäude untergebracht sind. An einem Postkartenständer stoße ich auf ein älteres Ehepaar, das sich mit einem Stapel von Postkarten eindeckt, die alle ein Motiv zeigen. Es ist das Haus, in dem sich auch das Jugendstil-Museum befindet. Wir kommen ins Gespräch und ich erfahre, dass seine Großeltern einst im fünften Stock des Hauses gewohnt hatten. Wäre ich bereits im Museum gewesen, hätte ich gewusst, mit wem ich es da zu tun habe.

Das Museum gibt einen guten Einblick in das Leben der besseren Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Ich betrete das Haus und stehe in einem gewendelten Treppenhaus. Der Blick nach oben nimmt mich gefangen und ich stelle mir vor, wie die Herren mit Gehstock, Frack und Zylinder, die Damen in Rüschenbluse und langem Rock, auf dem Kopf ein Federhütchen die Stiegen hinaufschreiten. Mir das vorzustellen ist nicht schwer, denn das Personal des Museums ist im Stil des zwanzigsten Jahrhunderts gekleidet.
Es muss eine sehr widersprüchliche Zeit gewesen sein. Auf der einen Seite der Aufbruch in eine neue Zeit, mit modernen Tänzen und Chansons und bis ins frivole, frech provokante Gesellschaftsleben, andererseits, die streng hierarchisch und in gesellschaftlichen Konventionen verharrende Klasse der Oberschicht.
Die Ausstellung befindet sich im Keller- und Erdgeschoss. Im fünften Geschoss befindet sich die Wohnung des Malers Janis Rozentals und seiner Frau, der finnischen Sängerin Elli Forssell. Ihr Untermieter war der in Lettland bekannte Schriftsteller Rudolfs Blaumanis. Die Wohnung war Treffpunkt vieler bedeutender, lettischer Kulturschaffender. Interessant sind die Skizzenbücher Rozentals, die er bisweilen wie ein Tagebuch bei seinen Rundgängen durch die Stadt oder während seiner Ausflüge anfertigte.

Der alte Herr, den ich zuvor auf der Straße traf, muss also ein direkter Nachfahre der Familie Rozental gewesen sein. Schade, hätte ich früher wissen sollen.
Von hier aus lief ich durch die Gassen und Straßen, nun mit geschärftem Blick für die unterschiedlichen Architekturmerkmale von Jugendstil, Art Déco oder Perpendicular Art Déco. Anders als in Helsinki oder Tallinn finde ich in der gesamten Stadt, zwischen Neubauten und in engen Gassen interessante und schöne Häuser. Zwischendrin auch immer wieder Jugendstilelemente, selbst in den Holzhäusern. Besonders schöne Beispiele befinden sich auf der, der Stadt gegenüberliegenden Flussseite.

Schien die Stadt gestern im Regen leer und grau, so waren die Straßen heute voller Menschen. Der Juni scheint der Monat der Schul- und Uniabschlüsse zu sein. Männer im guten Anzug und Frauen in Festtagsrobe und großen Blumensträußen flanieren im Park und stehen mit Angehörigen und Lebenspartnern Model für ein Erinnerungsfoto, andere belegen mit der ganzen Festgesellschaft die Restaurants. An einem anderen Platz treten Schüler zusammen mit einer Bigband zu einem Konzert auf. Ich mische mich unter das Publikum und höre gebannt zu. Wie kann sich eine Stadt mit dem Wetter verändern!
Auf meinem Rückweg zu meinem FidiBus laufe ich über den Rathausplatz, vorbei am Schwarzhäupterhaus, einer der Hauptattraktionen Rigas. Erwähnung fand es erstmals 1334 als das „Neue Haus der großen Gilde“. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört und von 1993 an in sechs Jahren wieder in seinem Originalzustand neu errichtet. Der Namensgeber des Schwarzhäupterhauses war die Loge der Schwarzen Häupter. Die noch heute mit ihrem Sitz in Bremen besteht. Von hier aus zog ich weiter du den drei Brüdern, einem farbigen Häuserkomplex, nahe dem lettischen Regierungssitz. Vom vielen Herumlaufen bin ich müde und meine Füße schmerzen, doch ich bin noch nicht in der Laune, das städtische Treiben zu verlassen, da höre ich aus einem Lokal Musik, die meine müden Füße direkt in die, mit alten Motorrädern und anderem Trödel eingerichtete Bar lenkt.
Die Bedienung erweckt den Anschein, als hätte man sie zur Zwangsarbeit verpflichtet. Anstelle mich nach meinem Wunsch zu fragen, schaut sie mir schweigend ins Gesicht. Also entschließe ich mich, ihr meinen Wunsch ebenso schweigend mit einer angedeuteten Trinkgeste und dem Deuten auf den Zapfhahn zu vermitteln. Jetzt lächelt sie, zapft mein Bier und stellt es mir mit einem „Prosit“ auf die Theke. Geht doch! Nun erzählt sie mir, dass sie aus England käme, hier an der Musikhochschule Jazeps Vitols studiert und zwischendrin hier Geld verdient. Mehr ist allerdings nicht zu erfahren, bis zwei, dem Akzent nach schottische oder irische Männer, die Plätze neben mir belegen, was ihre Laune merklich hebt.
Halb neun trete ich dann endgültig den Rückweg an. Jetzt wird mir allerdings jeder Schritt zur Qual. Als ich mich eine dreiviertel Stunde später in meinen Sessel am Ufer der Daugava setze, möchte ich bis morgen nicht mehr aufstehen, wenn nicht in diesem Moment ein großer runder Vollmond mit seinem Marsch von der Burg der Altstadt, über die Vansu Brücke zu den neuen Hochhäusern ein faszinierendes Schauspiel lieferte.
Erst, als der Mond endlich hinter den Fassaden verschwindet, kann ich mich entschließen den Tag zu beenden.


Nachtrag zu Riga

Ich glaube, der letzte Beitrag ließ eine Frage unbeantwortet. Wer war der Dieb?
Vielleicht habe ich mit der Darstellung etwas unscharf gehalten. Um es kurz zu machen: Es gab keinen Dieb!

Die Hose mit der defekten oder nicht mehr vorhandenen Taschennaht hat mir bereits zu Hause Kummer beschert, weshalb ich ganz sicher war, dieses Bekleidungsteil gar nicht meiner Reisegarderobe hinzugefügt zu haben. Irgendwie hat sich genau diese Hose wohl doch Zutritt verschafft und harrte in der Kleiderkiste schweigend, bis sie ihre Chance witterte. Sie heftete sich just an diesem Tag an meine Achillesferse (des Verlierens). Alles, was oben in die Tasche hineingesteckt wurde, fand umgehend seinen Nebenausgang durch die fehlende Naht. So geschah es, als ich das Portemonnaie meinem Rucksack entnahm, dem Fahrer das Trinkgeld überreichte und den Geld- und Dokumentenbeutel dann, der Bequemlichkeit wegen, in die Hosentasche steckte. Er suchte sich seinen Weg außerhalb meiner Beinbekleidung und versteckte sich neben meiner Gesäßmuskulatur. Kriminaltechnisch bleibt also nur anzumerken, dass der Vorfall ohne Fremdeinwirkung allein durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zustande kam.

Ich hoffe mir dieser Erklärung Taxifahrer, Fahrgäste oder andere, mir nicht näher bekannte Personen hinreichend rehabilitiert zu haben.

Tallinn

12. Juni 2024

Tallinn

Pünktlich um neun Uhr morgens verlässt meine Fähre den Hafen von Helsinki. Damit nehme ich Abschied von Finnland und Skandinavien. Es ist, als würde ich eine mir vertraut gewordene Region verlassen und ich erwische mich dabei, wie ich während der Überfahrt öfters zurückschaue als nach vorn. Das Baltikum ist mir bisher völlig unbekannt und irgendwie bringe ich es noch immer in Verbindung mit der alten Sowjetunion. Dabei habe ich schon so oft erzählt bekommen, wie schön Tallinn und Riga seien. Ich bin mir ganz sicher, auf dieser Reise werde ich die alten Bilder löschen.
Jetzt kommen die Kirchtürme Tallinns in Sicht und so pünktlich, wie wir Helsinki verlassen haben, so pünktlich laufen wir in den Hafen Tallinns ein. Ich muss tanken und einkaufen, und schon von der Fähre in die Stadt benötige ich eine gute Stunde. Baustellen mit abenteuerlicher Verkehrsführung und der estnische Fahrstil sind mir ungewohnt und erfordern meine ganze Aufmerksamkeit. Dann wird es etwas ruhiger und Tankstelle sowie Supermarkt liegen auf dem gleichen Areal. Die Preise sind hier auffallend geringer und ich muss acht geben, nicht vor Freude in einen Kaufrausch zu verfallen. Dann suche ich mir einen Parkplatz und verschaffe mir einen ersten, ganz schnellen Überblick über die Stadt. Vor der russischen Botschaft sind Protestbanner aufgestellt, in denen Putin als Mörder, Folterer und Kriegstreiber angeklagt wird. Die Polizei bewacht die Banner, ansonsten ist es ruhig, keine Menschenmenge und außer Touristen scheint es niemanden zu interessieren. Im Schifffahrtsmuseum erkundige ich mich nach einem Tallinn-Ticket und erfahre, dass ich dies über das Internet bestellen kann, wodurch ich zwei Euro Rabatt bekomme. Also nur sechsundfünfzig anstelle achtundfünfzig Euro. Na immerhin. Also bestelle ich es für morgen, mir einer Gültigkeit von 24 Stunden.


Für heute soll es genug sein. Mein Schlafplatz liegt außerhalb der Stadt, auf einer Halbinsel. Ein Parkplatz am Meer, mit Dusche und Toilette. Nach einem Bad im Meer, mache ich mir mein Essen, lese noch ein wenig und lege mich dann schlafen. Morgen ist Sightseeing-Tag, und dafür sollte ich ausgeschlafen sein.

13. Juni 2024

Schon früh am Morgen fahre ich wieder in die Stadt. Dieses Mal finde ich einen Parkplatz im Hafengebiet, wo ich vierundzwanzig Stunden für sechs Euro stehen darf. Kurz überlege ich, ob ich über Nacht hier in direkter Nachbarschaft zur Altstadt bleiben soll, aber dann ziehe ich doch meinen ruhigen Standplatz am Meer vor.
Aber jetzt geht’s los!
Ich beginne meine Besichtigung im Maritim-Museum, das sich im Turm der Stadtmauer, genannt „Dicke Margarete“. In diesem Museum wird mein Interesse auf eine ausgegrabene Kogge gelenkt. Besonders die Bergung interessiert mich, da das Wrack im Ganzen gehoben und provisorisch zwischengelagert wurde. In der Dokumentation fiel mir auf, das rings um das Wrack bis zu seinem Boden, die Erde weiß war und sich damit deutlich von dem umgebenden braungrauen Untergrund abhob. War das Gips, den man zu Stabilisierung verwendete um später leichter auch unter dem Schiff arbeiten zu können? Leider kann mir auch das Museumspersonal meine Frage nicht beantworten und so muss ich wohl ein wenig recherchieren. Das hebe ich mir für zuhause auf.
Nach etwa zwei Stunden verlasse ich das Museum und blicke in einen dunklen, drohenden Himmel. Und da geht es auch schon los. Es gießt in Strömen. Das Wasser schießt aus den Regenrohren und spritzt über die Straße. Ich finde in einem Hauseingang Schutz und warte das Schlimmste ab. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei und ich setze meinen Rundgang fort. Gesundheitsmuseum, Schwarzhäupter-Haus, die orthodoxe Kathedrale, die auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde. Als ich eintrete, befällt mich ein bedrückendes Gefühl. Mit Gold und Silber wurde wahrhaftig nicht gespart. Für meinen Geschmack wirkt das einfach nur protzig. Sollte die Kirche nicht Bescheidenheit und Demut verkünden? Ihre Reichtümer nicht lieber sozialen Zwecken widmen, anstelle sie wie das goldene Kalb zu präsentieren. Und dann ist da auch ein stiller Vorbehalt gegen die Orthodoxe Kirche, die in ihrer Unterstützung für Putin ungebrochen ist. Ich verlasse die Kirche mit einem, sie kann mich nicht beeindrucken, abgesehen von ihrer Architektur. Dem Regierungssitz direkt gegenüber gehe ich an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland vorbei, laufe an der Stadtmauer entlang, in deren dicksten Turm das Museum der Stadtgeschichte gerade renoviert wird. Aber ich kann von dort aus einen Besuch der Katakomben, der unterirdischen Gänge buchen. Am Platz der Freiheit schließt uns die Gästeführerin das Tor auf und ward nicht mehr gesehen. Etwas ratlos standen wir herum, bis wir begriffen, dass wir von nun an selbständig durch die Gänge zu laufen haben Der Weg ist klar gekennzeichnet und gut beleuchtet. Auf den ersten hundert Metern waren Relikte früherer Bauwerke ausgestellt, auch der obligatorische, bei lebendigem Leib eingemauerte Mönch fehlt nicht und dann wird es interessant. Nach etwa der Hälfte des Weges wird die Verwendung der Gänge als Bunkeranlage anschaulich dargestellt und nachgebildet. Zu Sowjetzeiten sollten die Katakomben gar einem Atomschlag standhalten. Später dann wurden sie zum Zufluchtsort der Subkulturen. Die Punkbewegung nutzte sie als Versteck, denn sie galt der Obrigkeit als westlich dekadent und subversiv. Als dann mehr und mehr Obdachlose hier einzogen, schloss man die Katakomben und öffnet sie heute gegen einen Obolus für die Touristen. Nach etwa einer Stunde trete ich aus der Unterwelt wieder ans Tageslicht. Es ist achtzehn Uhr und alle Museen schließen ihre Türen. Zeit für mich, um noch ein wenig zu bummeln und mir dann ein Restaurant zu suchen. Ich setze mich auf die Terrasse und schon beginnt es wieder zu pladdern was das Zeug hält. Zum Glück habe ich außer meinem Bier noch nicht bestellt und ziehe um. Wieder geht es ein paar Stufen in das Restaurant hinab und schon bin ich wieder in der Unterwelt, nun aber mit einem guten Essen.
Morgen werde ich mir noch die Außenstelle des Maritimmuseums, das Seaplane Museum, anschauen.

14. Juni 2024

Ich stehe früh auf, mache meine FidiBus reisefertig und bin wenige Minuten vor zehn Uhr am Museum. Einlass ist pünktlich um zehn Uhr und mein Tallinn-Ticket hat eine Gültigkeit bis zehn Uhr und drei. Es klappt, ich scanne meine Karte und das Tor öffnet sich für mich. Das Museum ist riesig. Es ist ein Kuppelbau gebildet aus drei Kuppeln, ohne dass sie durch Mittelpfeiler gestützt wird. Eine riesige freitragende Überdachung. Drei A-300 fänden nebeneinander darin Platz.

Die Attraktion ist ein begehbares russisches U-Boot. Im Außenbereich gibt es weitere Schiffe anzuschauen, nur die Seaplanes, die Wasserflugzeuge sehe ich nicht. Wie sich herausstellen sollte, gibt es die hier auch gar nicht. Namengebend war die ehemalige Verwendung der Halle als Hangar für die Wasserflugzeuge der russischen Marine.


Ich beschließe, es bei dem bisher gesehenen zu belassen. Wiedereinmal regnet es und bis ich wieder bei meinem FidiBus bin, bin ich pitschnass. Es ist ein Uhr mittags, als ich wieder Asphalt unter den Rädern habe.
Weiter geht es auf die größte estnische Insel, nach Sarema.

Helsinki

10. Juni 2024

Die Fahrt von Hanko nach Helsinki war lang und so komme ich erst am Abend in Helsinki an. Der Campingplatz liegt östlich der Stadt und er ist alles andere als schön. Camper steht an Camper nur getrennt durch eine Hecke. Aber er liegt strategisch günstig. Zur Metro laufe ich fünf Minuten und die Fahrt ins Zentrum dauert von hier aus zwanzig Minuten.
Gleich am frühen Morgen löse ich ein Helsinki Ticket, damit sind Stadtrundfahrt, Museumsbesuche und der ÖPNV inbegriffen. Den ersten Überblick verschaffe ich mir während der Fahrt mit einem HopOn HopOff Touribus. Die während der Fahrt gegebenen Erläuterungen sind jämmerlich. Ich komme zu dem Schluss, dass sich die Tour nicht lohnt. Interessanter ist da schon eine Bootstour durch die Inselwelt, die der Stadt vorgelagert ist. Zwischen malerischen Inseln, die Künstlern als Domizil galten und deren wunderschöne Holzvillen noch heute kein fließendes Wasser und elektrisches Licht haben und durch schmale Kanäle fahren wir etwa zwei Stunden. Stehen auf den einen Inseln die alten Prachtvillen, so befinden sich auf anderen moderne Bauten, teils Bungalows, teils mehrstöckige Häuser, deren Mieten sicherlich ein vielfaches dessen beträgt, was ein Normalverdiener im Monat verdient. Dafür bekommt man jedoch eine tolle Aussicht auf das Meer und eine verglaste Veranda, deren Glaswände je nach Bedarf verschoben werden können.
Ach ja, würde ich noch einmal geboren, so würde ich alles daran setzen reich zu werden. Das Leben lässt sich dann doch ganz anders gestalten. Nach der Rückkehr in den Hafen mache ich mich zu Fuß auf den Weg durch die Stadt. So viel hat die Stadtrundfahrt dann doch gebracht, dass zumindest eine Orientierung habe, was ich mir anschauen möchte.
Mein erster Weg führt mich in die Markthalle. Im Prinzip handelt es sich um eine Ansammlung vieler Bars, Bistros und Restaurants, die in etwa alle das gleiche Angebot zu bieten hatten. Es ist ein Markt der Gastronomen.
Doch wenn es schon mal so ist, dann kann ich hier auch die berühmte finnische Lachssuppe essen und die ist wirklich ein Genuss. Gesättigt und mit neuem Elan schlendere ich durch die Esplanaden.

Dies sind vier parallel verlaufende Straßen, die Shopping-Mall. Zwischen ihnen befindet sich ein schöner Park und da das Wetter heute schön ist, ist der Park voller Menschen, die die Sonnenstrahlen einfangen. Ich würde ja gerne ein Eis essen, aber bei vier Euro fünfzig für eine Kugel sträubt sich selbst mein innerer Schweinehund. Vorbei geht es an dem Theater, einer weiteren Markthalle, schöner als die am Hafen gelegene, aber auch sie beherbergt ausschließlich diverse gastronomische Betriebe. Ich gönne mir ein Bier und mache mich auf den Rückweg. Durch immer wieder neue Querstraßen komme ich zum Jugendstil Viertel. Es ist nicht gerade sehr viel, aber es ist dennoch beeindrucken. Um sieben Uhr bin ich wieder in den Esplanaden und dem Park und da heute auch Musik-Sommerfestival ist, spielt in einem Konzertpavillon eine finnische Folk Band. Sie haben gerade angefangen und die Musik gibt mir ein gutes Gefühl. Ich bleibe bis zum Schluss. Streune dann noch ein wenig durch die Gassen zur orthodoxen Kirche, die hoch über der Stadt auf einem Fels errichtet wurde, von dort zum Domplatz und dann zurück, durch einen in den Fels geschlagenen Tunnel in die U-Bahnstation der Metro. Um zehn Uhr falle ich todmüde und mit schmerzenden Füßen und Knien in meinen FidiBus. Es war ein schöner, wenngleich anstrengender Tag.
Mein nächstes Ziel ist Tallinn. Also dann, Gute Nacht.

Rauma

Von Vaasa aus fahre ich dann nach Rauma weiter, einer Stadt, die zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Kaum bin ich am Abend angekommen, da verfärbt sich der Himmel schwarz und es gießt in Strömen. Trotzdem beschließe ich, einen ersten Rundgang zur Orientierung durch die Stadt zu machen. Heute bin ich verwegen und gönne mir einen Wein in der Bar. Mit zehn Euro fünfzig bin ich dabei und bekomme dafür ein null zweier Glas eines mäßigen Chardonnay. Ich versuche es gar nicht erst ein Gespräch zu beginnen, sondern marschiere brav zurück zu meinem FidiBus, lese noch ein wenig und fühle mich wohl, während draußen ein kräftiges Gewitter tobt.
Die Sonne weckt mich am nächsten Morgen und ich beginne meinen Rundgang. Die Stadt ist tatsächlich etwas Besonderes. Die bunten Holzhäuser reihen sich links und rechts der teils engen Gassen und auf dem Marktplatz haben sich neben einigen wenigen Verkaufsständen die Infostände, die um die Wähler für die Europawahl buhlen. Am Stand der finnischen Grünen bietet man mir eine Bratwurst an, die ich gerne annehme, zumal ich noch nicht gefrühstückt hatte. So verdient das Café heute leider nur an einem Kaffee an mir.
In der Heilig-Kreuz-Kirche werde ich aufmerksam auf eine Ausstellung des finnischen Künstlers Jarmo Mäkilä, die gestern im Kunstmuseum eröffnet wurde.
Sie beeindruckte mich durch ihre einerseits sehr realistischen Bilder und Skulpturen, aber auch durch den Umgang mit Licht. Der Künstler verarbeitet in seinen Bildern und Objekten seine Kindheit auf eine beinahe mystische Weise, wobei mir auffällt, dass die Gesichter der dargestellten Personen stets sein eigenes Gesicht zeigen.
Bedauerlicherweise ergeht es der hübschen kleinen Altstadt aber wie so vielen anderen historischen Städten auch. Sie hat sich voll dem Tourismus verschrieben. Souvenirläden, unzählige Cafés und Boutiquen prägen das Bild der Stadt. Am Nachmittag drängen sich die Touristen durch die schmalen Gassen und ich bin froh, dass ich mich schon früh am Morgen auf den Weg machte, so fand ich die Stadt noch recht friedlich vor.
Meine Weiterfahrt verschiebe ich auf den nächsten Tag.

Ein langer Weg nach Helsinki

6. Juni

Heute setze ich meine Fahrt in Richtung Helsinki fort. Für Helsinki möchte ich mir ein wenig Zeit einplanen und so buche ich mir über das Internet eine Fähre für den 12. Juni. Wenn ich erst einmal auf dem Schiff bin und Skandinavien hinter mir lasse, bedeutet dies, dass ich den größten Teil meiner Reise hinter mir habe. Aber noch bin ich unterwegs in Finnland.
Wann immer es mir möglich ist, weiche ich von der Hauptroute, der E8, ab. Auf den kleinen Staatsstraßen fahre ich vorbei an den kleinen roten Holzhäusern, von denen eine Wärme ausgeht, die so charakteristisch für die Länder Skandinaviens ist. In jedem Fenster, das zur Straße hin ausgerichtet befindet sich ein Licht, das den ganzen Tag über leuchtet. Schon allein dies sorgt für eine sehr friedliche Atmosphäre. Die einzelnen Höfe stehen jeder für sich und weit voneinander entfernt und wieder drängt sich mir der Vergleich mit dem Norden Kanadas auf. Vieles ist sehr ähnlich, bis auf die Menschen. Besonders hier in Finnland fällt es mir schwer, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Selbst an der Bar versagt meine Kontaktaufnahme. Angesprochen werde ich meist nur vom Personal hinter dem Tresen und über ein woher und wohin, geht das Gespräch selten hinaus. Nicht einmal die Europawahlen animierten finnische Thekenbrüder dazu, das deutsche Wahlergebnis zu kommentieren. Auch, wenn ich während dieser Reise zumeist mit mir selbst zurechtkommen musste, so fühlte ich mich doch zu keinem Zeitpunkt einsam. Diskussionen focht ich mit mir allein aus und ich war mir ein ausgesprochen angenehmer Gesprächspartner.
Am Abend erreichte ich die kleine Hafenstadt auokka. Ein Übernachtungsplatz zum wilden Campen war hier nicht zu finden. Dafür zeigten mir meine Apps ein paar Möglichkeiten informeller Camper-Stellplätze, doch erwiesen sich diese als überaus uncharmant. Asphaltiert in direkter Nachbarschaft zu einem Bauhof zwischen hässlichen Häusern, das war nicht, was ich suchte. Doch dann entdeckte ich oberhalb des Hafenrestaurants einen geschotterten Platz mit Blick auf den Hafen und die Ostsee und… auf eine Theaterbühne.

Es wurde gerade für eine Aufführung am Wochenende geprobt und obwohl ich kein einziges Wort verstand, ist mir klar, dass es sich um eine Laienspielgruppe handelt. Es gab auch immer wieder Gesangseinlagen und allein die waren es wert, das Spektakel über mich ergehen zu lassen.
Es wird erstmals wieder dämmrig. Wie sehr ich mich nach Dunkelheit sehne!

Aus einem Zwischenstopp bis Helsinki wurden es dann doch zwei. Ich wollte ein Stück durch den Naturpark von Hierdunpolku wandern und außerdem erwartet mich dort in Railan Ranta eine Sauna direkt am Meer. Der Weg dorthin war beschwerlich. Acht Kilometer übelster Schotterpiste brachten mich zu einem Platz, der als sehr schön, mit Tisch und Bank und Plumpsklo beschrieben war. Einziger Fehler: Der Platz war geschlossen. Dafür gab es fünfhundert Meter davor die Möglichkeit auf einem Parkplatz zu stehen, auch für die Nacht. Die Wanderung war sehr schön, doch die Sauna blieb ein frommer Wunsch. Es ist Wochenende und da ist die Sauna ausgebucht. Pech gehabt. Aber wenigstens hatte ich die Wanderung immer am Ufer der Ostsee, durch Schilf und Wald. So war ich dann am Abend redlich müde.

Helsinki erreichte ich dann nach einem weiteren, unspektakulären Aufenthalt in Hanko. Es war zu spät um die restlichen zweihundert Kilometer nach Helsinki zu fahren. Doch zuvor machte ich mir noch einen schönen Tag in Turku. Der Besuch der Burg war nicht möglich, da in dieser Woche das Sommermusikfestival stattfindet und das heutige Konzert einer Heavy Metal Band angesagt ist. Schon beim Soundcheck ist mir klar, das ist nicht meins.

Doch dann, am 10. Juni war es endlich so weit. Helsinki, ich komme!

Von Oulu nach Vaasa

Es ist der zweite Juni und ich habe Oulu verlassen. Auf der E8 ziehe ich weiter nach Süden. Auch heute meint es Wetter gut mit mir und so cruise ich dahin. Kurz hinter Oulu lege ich noch einmal einen Stopp ein, um eine Runde zu laufen und hier scheint mir ein geeigneter Ort zu sein. Eineinhalb Stunden später besteige ich wieder meinen FidiBus und fahre weiter bis kurz vor Kokkula. Es soll ein schönes Städtchen sein. Doch ist bereits spät und ich lasse mich von meiner iOverlander App zu einem schönen abgelegenen kleinen Hafen lotsen. Durch einen Zauberwald fahre ich auf geschotterter Piste ein gutes Stück nach Osten, dem Meer entgegen. Und dann am Ende der Straße fahre ich hinaus aus dem Wald und stehe am Ufer einer Bucht mit dem kleinen Hafen. Nur wenige Boote liegen hier. Später am Abend kommen dann noch zwei weitere Boote. Sie kommen von ihrem Wochenendausflug aus den Schären. Sie haben dort auf den kleinen Schäreninseln ihre Hütten. Keine Straße, kein Weg führt dorthin. Nur mit dem Boot kann man sie erreichen. Sofort träume ich mich in eine dieser Hütten, höre nur das Plätschern der Wellen, die sacht ans Ufer rollen, sehe die Sonne wie orange und dann blutrot für ein paar Minuten unter dem Horizont verschwindet, um dann in den neuen Tag hineinzuleuchten. Ach, es ist nur ein Traum. Nach dem Abendessen steige ich ins Bett. Morgen bin ich dann in Kokkola.

Montag, 3. Juni 2024
Wie immer lasse ich mir vor meinem Start viel Zeit. Frühstücke in aller Ruhe, Prüfe noch einmal das Öl des FidiBus, er soll ja nicht heiß laufen, mein treuer, zuverlässiger Gefährte. Gegen Mittag breche ich dann auf. Auf schmaler Schotterpiste stolpere ich voran, parallel zu einem Kanal, der diverse Seen miteinander verbindet. In Ufernähe brütet ein Haubentaucher im Schilf. Immer wieder führen kleine Brücken über den Kanal hinein in einen dichten Wald aus zumeist Birken. Hier erlebe ich eine ungestörte Welt, in der ich der einzige Störenfried bin. Viel zu schnell bin ich wieder heraus aus der verträumten Welt.

Wieder auf der E8 stelle ich fest, dass ich gestern an dem hübschen Ort Raahe vorbeigefahren bin. Ich mache also kehrt. Am Ortseingang steht gleich die alte Kirche. Sie birgt einige schöne alte Holzfiguren. Ich trete ein und befinde mich mitten im Gottesdienst. Zu spät um einfach wieder hinauszugehen und so folge ich den Zeremonien. Die Lieder gleichen eher finnischen Volksliedern als den herkömmlichen Kirchenliedern. Ich gebe mich ganz einfach dieser Stimmung hin, schalte vollkommen ab. Wie gut das tut. Kein Gedanke fliegt in irgendeine Richtung. Die Lieder, die Predigt, wie ich so dasitze, merke ich, dass etwas in mir aufsteigt, was sich wie ein Mantel um mich legt. Tränen laufen mir über die Wangen. Woher sie kommen, kann ich nicht ergründen. Vielleicht ist es das lange mit mir allein sein, das völlige Abschalten, das mich nun, angesichts einer so präsenten Gemeinschaft ergriffen gemacht hat. Ich kann es momentan selbst nicht ergründen und ich möchte das auch in diesem Moment gar nicht.
Auf dem angrenzenden Friedhof, auf dem sich etwa dreißig Gräber gefallener Soldaten befinden, viele hatten das zwanzigste Lebensjahr gerade erst hinter sich gelassen, halte ich kurz inne. Wie viele Leben gehen heute wieder verloren, nicht weit von hier und auch sie wären größtenteils lieber bei ihren Familien als in einer Schlacht, in der sie dem Tod näher sind als dem Leben.

Die kleine Stadt Rahe ist tatsächlich ein hübscher Ort mit kleinen bunten Holzhäschen und herrschaftlichen Wohnhäusern der Kaufleute und Schiffseigner. Im Museum Rahe ist ein Raum gefüllt mit Figuren der alten, abgebrannten Kirche. Ihre Bemalung wirkt geradezu kindlich.
Es gibt auch eine Abteilung, in der Kinderbilder ausgestellt wurden und bei einer der Fotografien musste ich sofort daran denken, dass laut einer internationalen Erhebung, die Finnen das glücklichste Volk seien. Die beiden abgelichteten Kinder gehörten offensichtlich nicht dazu.
Katjas Kommentar: ‚Den Gesichtsausdruck kenne ich. Wie meine nach Fernsehverbot‘.


In Kokkola mache ich meinen nächsten Stopp, Einen Stopp, den man getrost hätte auslassen können. Ich gehe durch die Altstadt, die sehr überschaubar ist. In einem Café schildere ich der Bedienung mein Strafzettelproblem und dass ich das Onlineformular nicht lesen könne. Sofort erklärt sie sich bereit das Formular für mich auszufüllen und wenige Minuten später erhielt ich die Eingangsbestätigung der Behörde von Oulu. So einfach kann es manchmal sein.



Die nächste Station ist Vaasa.
Auch diese Stadt bietet vom Stadtbild her nicht allzu viel. Und dennoch beschließe ich hier ein paar Tage zu bleiben, denn der Campinglatz bietet mal wieder viele Bequemlichkeiten. Für sechzehn Euro stehe ich mitten in einem Wald, mit Blick aufs Wasser und von sieben bis zehn Uhr morgens ist die Sauna, die direkt am Meer liegt, kostenlos. Da schlägt mein Herz höher, zumal das Wetter zum Schwimmen einlädt. Allerdings gibt es auch einen Haken. Die Mücken, diese kleinen Quälgeister haben es auf mich abgesehen und dürsten nach meinem Blut, das ich ihnen jedoch nicht kampflos überlasse. So schicke ich ihre kleinen Seelen mit gezielten Schlägen auf die Reise zur nächsten Station ihrer Seelenwanderung.
Zum Frühstück bekomme ich jedes Mal eine besondere Tierschau geboten. Wendehälse und ein Austernfischer machen sich auf die Suche nach ihrem Frühstück und können dabei den Hals nicht voll genug bekommen.
Die Luft ist voll vom Gesang der Vögel, die deutlich gesprächiger sind als die Menschen. Nun, man kann nicht immer alles haben.

Am 6. Juni ist es dann wieder so weit, ich reise weiter. Mein nächstes Ziel soll Rauma sein.

Der geschenkte Weihnachtsmann … und weitere Begebenheiten

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19. Mai 2024

Um es kurz zu machen, aus dem Minenbesuch wurde nichts. So fuhr ich also von Kittilä weiter in Richtung Rovaniemi. Zwar hätte ich auch weiterhin auf der Hauptroute bleiben können, aber ich bin nicht so weit gereist um das Land aus der Autobahnperspektive zu erfahren. Immer wieder weiche ich also auf geschotterte Nebenstrecken aus. Bestimmt wird die Landschaft weiterhin von flachen Ebenen, Birken und Fichten, zuweilen Kiefern, deren würziger Duft überall dort wo sie der Sonne ausgesetzt sind, in der Luft liegt, und natürlich Wasser ohne Ende. Mal in Form von Sümpfen dann Seen oder Bäche und kleine Flüsse, deren braune Wasser mal ruhig dahinzieht oder auch rauschend über die Felsen springt.
Durch die vielen Umwege brauche ich für die knapp einhundertundsechzig Kilometer beinahe sechs Stunden. Und dann bin ich im Vorstadtbereich von Romaniemi. Schon von Weitem werde ich an jeder Ecke auf das Weihnachtsmanndorf hingewiesen und die Bilder erinnern mich stark an Disneyland. Jetzt im Sommer Rentierschlittenfahrt auf Rädern, ein Weihnachtsmann als Grüßonkel und Souvenierbuden neben Zuckerwatte und Weihnachtsgedöns. Nee, das tue ich mir nicht an, auch wenn dort der Polarkreis durch ein Seil, in luftiger Höhe aufgehängt ist, den man dann natürlich auch an einigen Stellen überspringen kann, wovon dann sicherlich ein Selfie zeugen muss. Nein, das schenke ich mir. Heute ist der Tag, an dem ich einen Campingplatz aufsuchen möchte. Mein Leib schreit nach einer Dusche und meine Wäsche kann ebenfalls eine Reinigung vertragen. Der erste Platz, den ich anlaufe, ist geschlossen. Der zweite Platz allerdings gewährt mir Unterschlupf. Ich suche mir einen einfachen Platz auf der Zeltwiese direkt am Fluss Kämijokki.
Während meine Wäsche sich in der Trommel dreht, stelle ich mich unter die Dusche und genieße die reinigende Kraft des heißen Wassers. Die Zeit, bis meine Wäsche fertig ist, nutze ich für einen Besuch der Terrasse der platzeigenen Bar und einer alten Tradition folgend…

Am nächsten Tag schlafe ich lange aus, frühstücke ausgiebig und erweitere meinen Bus um die Fläche meines Heckklappenzeltes. Das ist bei der Sonne mehr als angebracht, um mir ein wenig Schatten zu verschaffen. Mit geöffneten Seitenwänden sitze ich zwar im Schatten, habe aber ansonsten um mich herum genug Luft.

Am Nachmittag werde ich die zwei Kilometer in die Stadt laufen, und schaue mich dort ein wenig um. Oje. Jetzt ist mir klar, weshalb der Weihnachtsmann dann doch lieber ins Weihnachtsdisneyland gezogen ist. Viereckige Häuserblocks, langweilige Straßen und eine Shopping-Mall, so attraktiv wie eine Tiefgarage. Aber die Wärme hat wenigstens ein paar Menschen dazu animiert, sich zwischen Bars und diversen Cafés aufzuteilen und ein Eis (eine Kugel 4,5 Euro) zu schlecken. Man, erst jetzt bemerke ich, wie ich mit gierigem Blick die Preistafel am Kiosk verschlinge. Doch nein, die Vernunft siegt.
Auf dem etwas längeren Rückweg schlage ich dann doch zu. Eine Kugel in der Waffel und da ich mangels finnischer Sprachkenntnisse auch die Sorten nicht identifizieren kann, deute ich auf eine grüne Sorte und hoffe, dass es weder Gras noch Pfefferminze ist. NEIN, es ist Pistazie, mein Lieblingsgeschmack. Um sechs bin ich zurück, und bevor es dann zu Bett geht, statte ich der Bar noch einen Besuch ab, einer alten Tradition folgend…

30. Mai 2024

Heute möchte ich weiter reisen, mein Ziel ist nicht weit. Ich werde das Landesinnere verlassen und wieder Berührung mit dem Meer bekommen. Die Fahrt ähnelt der letzten Tour. Bäume, Wasser, Sonne satt. Am Abend erreiche ich Kemi. Mein Herz macht einen Freudensprung. Es gibt eine Promenade und zahlreiche hübsche Bars und Restaurants in historischen Gebäuden. Für die Nacht richte ich mich auf der Pier des Yachthafens ein. Keine gute Idee, wie sich später zeigte.
In einem der verlockenden Strandcafés frönte ich meiner alten Tradition und entschloss mich dann dazu, mein Bett aufzusuchen. Leider hatte eine Gruppe jugendlicher die Pier in Beschlag genommen und trat in einen harten Wettbewerb um das lauteste Moped. Dies wurde später nur noch getoppt durch junge Männer in ihren tollkühnen Kisten. Laut heulen die Motoren der Boliden, ohne dass sie sich auch nur einen Millimeter von der Stelle bewegen. Junge sonnenbebrillte Männer mit cooler, seitlich gedrehter Schirmmütze machen aus ihrer Bewunderung für den kraftvollen Sound keinen Hehl, währen die Freundinnen über Gott und die Welt reden und sich um die Kraftpakete einen Scheißdreck kümmern.

Folgerichtig verlasse ich meinen Platz und finde in der Nähe eines Badestrandes, ebenfalls mit schöner Promenade einen neuen Platz für die Nacht. Mein Abendessen, Nudeln mit Tomatensauce und geröstetem Schinken, gratiniert mit feinstem Emmentaler aus den Höhlen des lokalen K-Marktes entstand mit einigen Laufeinlagen. Etwa fünfmal musste ich zwischen FidiBus und meiner Küche hin und her laufen, bis ich endlich alles beisammen hatte, bis auf das Feuerzeug, dass meinem einflammigem Gasherd zu einer Zündung verhelfen sollt, lag noch in FidiBus‘ wohl sortiertem Küchenfach. Ich laufe ein sechstes Mal.
Geschmeckt hat es nach der vielen Lauferei dennoch.
Ich trauere dem Blick auf der Pier nach, mache einen langen Spaziergang in die Stadt, zurück zu meiner Pier. Restaurants, Bars, Cafés, alles geschlossen und keine Mopeds weit und breit. So gegen 11 Uhr nachts fahre ich also wieder zurück.
Ruhe, absolute Ruhe und so sollte es dann auch die ganze Nacht bleiben.

31. Mai 2024
Bevor ich wieder aufbreche, möchte ich noch eine Stunde laufen. Erst entlang der Promenade, dann durch die Stadt. Nur in unmittelbarer Nähe zum Hafen kann man Kemi als schön bezeichnen oder wenigstens als belebt und mit historischen Relikten des früheren Handels. Im Supermarkt kaufe ich noch ein paar Dinge, Öl, Milch, Joghurt und dann breche ich gegen Mittag auf.

Am frühen Nachmittag bin ich am Bottnischen Meerbusen und finde eine kleine Fischerhütte, einst ein Ort für einen geräucherten Fisch, einen Kaffee oder ein Bier, nun jedoch zwar malerisch, aber geschlossen. Dennoch ist das ein genialer Ort, um meine Drohne aufsteigen zu lassen. Ich schicke sie weit hinaus über das Wasser, zu einer Inselgruppe. Es ist ein toller Blick. Für die einhundertzwanzig Kilometer bis nach Oulu benötige ich wegen der vielen Umwege wieder vier Stunden. Und dann bin ich in einer anderen Welt.

Falsche Sonne

27. Mai 2024
Die Entscheidung für eine sonntägliche Ruhepause habe ich nicht bereut. Ausgestattet mit so viel Zeit konnte ich wieder ein wenig Ordnung in meinen FidiBus bringen, Meine Hygiene-Grundausstattung erlaubte mir den Gang unter die Menschen und gäbe es hier Fliegen, so hätte ich für dies Plage sämtliche Attraktivität verloren.
Grund genug also um heute, nach dem Frühstück die Räder meines FidiBus zu inspizieren und mich von ihm über den Asphalt chauffieren zu lassen.

Doch halt bei der Einfahrt nach Inari und zu meinem Lagerplatz fahre ich an einem großen, modern anmutenden Gebäude vorbei, in dem ich das Museum vermutete. Also warum nicht einmal ein samisches Museum besuchen.
Vor dem Gebäude stehend bekomme ich Zweifel, ob es sich tatsächlich um ein Museum handelt. An den Hinweisschildern fehlt das finnische „Museo“, denn so viel habe ich bereits gelernt. In großen Lettern prangt an der Eingangstüre „Sajos inari“. Auch aus der Nähe und beim Eintreten zeigt sich mir eine dreiachsige Symmetrie mit einem hellen, klaren und modernen Erscheinen. Ich bemühe meinen Übersetzer und siehe da, ein Museum ist dies wahrhaftig nicht. Es handelt sich eher um das Gegenteil. Ich befinde mich im Kultur- und Regierungsgebäude des Samenlandes. Im Zentrum befindet sich ein zylindrischer Raum, in dem das „Parlament“ tagt und in dem die wichtigen Entscheidungen getroffen werden. An der Außenwand wird der gewünschte Umgang der samischen Kultur und Natur thematisiert. Insbesondere das respektlose Eindringen der Touristen in die Privatsphäre und ganz besonders die Fotografierwut der Besucher nimmt man in dieser Ausstellung aufs Korn.

Sicher, Samen haben ihre Kultur, die für uns in vielerlei Hinsicht exotisch und

fremd erscheint. Noch immer spielen die Geister eine große Rolle. Die spezielle, Gesänge, das joiken, der traditionelle schamanische Gesang, visualisiert die Natur und ihre Geschöpfe. Er ist unseren Ohren fremd. Doch das ist noch kein Grund, ungefragt Mensch und Gesang aufzunehmen. Wie im Glauben vieler indigener Völker stiehlt man auf diese Weise ihre Seelen.
Kurz überlege ich, ob ich in der sehr hellen und dennoch gemütlichen Cafeteria einkehren soll, entschließe mich dann aber doch lieber meinen nächsten Schlafplatz aufzusuchen.
Nicht weit möchte ich heute fahren. Es sind knapp einhundertsechzig Kilometer. Ich werde dennoch vier Stunden bis dorthin benötigen. Die letzten80 Kilometer werden noch einmal schwierig. Der Asphalt endet und von nun an geht es auf Schotter weiter. Irgendwie erinnert mich das alles an meine Kanadareise 2022. Schotterstraßen, unendliche Wälder, weite, oft eintönige Landschaften. Nur etwa einhundert Kilometer bin ich gefahren und schon hat sich die Vegetation grundlegend geändert. In den Birken zeigt sich inzwischen der frische Frühling. Die Tundra hat ihr eintöniges Braun gegen ein noch blasses Grün eingetauscht und die ersten gelben Blümchen strecken ihre Köpfchen aus dem Unterholz. Es ist inzwischen richtig warm geworden. Die Sonne brennt vom Himmel, aber es ist keine gute Sonne. Meine Mutter hätte sie als eine falsche Sonne bezeichnet, denn sie bringt keine Wärme, sondern sengende Hitze, verheißt nichts Gutes, vielleicht Regen, vielleicht gar Gewitter, auch die Wolken weisen eine seltsame Linsenform auf, wie ich das nur vom Föhn kenne. Föhnwetter

Auf dem Satellitenbild meines Navis zeigt sich in der Landschaft plötzlich eine seltsame Struktur. Sie ist groß und eindeutig Menschen gemacht. Sofort fährt meine Fantasie Achterbahn. Etwas Militärisches? Eine Raketenbasis? Oder doch nur eine riesige Papierfabrik. Ich muss meine Neugier stillen und suche einen Zugang zu dem Komplex. Der erste Weg endet vor einem großen verschlossenen Tor, ohne einen Hinweis auf das, was sich hinter dem Tor verbirgt. Bei der zweiten Zufahrt habe ich Glück. Sie führt direkt in den Komplex und hier finde ich auch einen Hinweis auf die Bedeutung des Geheimnisses,

AGNICO EAGLE MINES steht in großen Lettern an dem Zugang. Ich befinde mich am Tor der größten Goldmine Europas, etwa vierzig Kilometer südwestlich von Kittilä, Mein Entschluss steht fest. Ich fahre morgen nach Kittilä und versuche herauszubekommen, ob man die Mine, die, soweit ich das sehen kann, im Tagebau betrieben wird, besuchen kann. Das Gold wird, anders als in Kanada, chemisch konzentriert, wobei angeblich besonderer Wert auf Umweltverträglichkeit gelegt wird. Ich versuche das herauszufinden.
Dann biege ich auf eine noch kleiner Schotterstraße ab. Ein Schild weist darauf hin, dass das Befahren auf eigene Gefahr erfolgt und nach weiteren sechs Kilometer stehe ich mitten im Nirgendwo am Fluss Ounasjoki. Es ist viertel nach vier. Ich baue Tisch und Stuhl auf, öffne mir ein Bier als „Anleger“ und schaue auf das Wasser. Eigentlich ein schönes Motiv für eine Luftaufnahme. Nach wenigen Minuten ist meine Drohne startklar, die Software sagt mir, dass in der Nähe ein privater Flugplatz ist, als bleibe ich unter fünfzig Metern und mache ein paar eindrucksvolle Bilder.

Von Norden her wird der Himmel dunkel mit einer Rosa Basis. Das sieht nach Gewitter aus und aus der Ferne vernehme ich nach zwanzig Minuten ein dumpfes Grollen.

Ich packe wieder ein, gerade rechtzeitig, als mich die Böenwalze des nahen Gewitters erreicht und dann geht es auch schon los. Der Himmel ist schwarz. Um mich herum zucken die Blitze und schon kracht es los. Das Gewitter steht nun direkt über mir. In meinem FidiBus fühle ich mich sicher und das Prasseln des Regens macht es trotz allem beinahe gemütlich. Wie gesagt, beinahe.

28. Mai 2024

Das gestrige Gewitter brachte ein wenig Abkühlung und hat die Waldbrandgefahr vorerst gebannt. Auch für heute werden weitere Gewitter erwartet. Nach einem ausgiebigen Frühstück starte ich um Viertel nach zehn in Richtung Kittilä. Vielleicht kann man hier Auskunft geben über eine Besuchsmöglichkeit der Mine. Kittilä ist eine Stadt, wie die genauso gut, wie sie in US-amerikanischen Vorstädten anzutreffen ist. Flache, eingeschossige Einfamilienhäuschen entlang der Straße, ein Supermarkt, mehrere Tankstellen und mindestens drei Museen, alle geschlossen bis zum ersten Juni, dem offiziellen Beginn der Sommersaison. Nur eine Tourist-Information gibt es hier nicht. Ich versuche es auf direktem Weg und suche mir die Telefonnummer der Agnico-Eagle Finland Oy, so der offizielle Name der Minengesellschaft heraus. Bei meinem Anruf rechnete ich mit einer strikten Absage, wie ich es aus Kanada gewohnt war. Stattdessen antwortet mir eine sehr freundliche Stimme und erklärt mir, dass es zwar keine organisierten Führungen durch die Mine gäbe, er wolle sich jedoch umhören, ob sich jemand für ein Interview und einen Rundgang bereit erklärte. Immerhin bleibt eine Hoffnung. So erkläre ich, dass mich mein Weg am Nachmittag zunächst nach Rovaniemi führt, ich aber binnen 3 Stunden wieder zurück sein könne, sodass ich Morgen früh einen Termin in der Mine wahrnehmen kann.
Besonders interessieren würde mich, in welchen Gesteinsformationen das Gold zu finden ist und wie es weiter verarbeitet wird. Meine ersten Recherchen ergaben, dass man den Tagebau in den nächsten Jahren aufgeben möchte uns stattdessen das Gold unter Tage über eine, mit erneuerbaren Energien betriebenen Schacht-Förderanlage an die Oberfläche bringt. Unter Umweltgesichtspunkten gilt die Mine als eine der Umweltverträglichsten weltweit. Die Aufbereitung des Erzes erfolgt ohne giftige Substanzen (Amalgamverfahren mit Quecksilber oder Cyanidlaugerei). Welches Verfahren, ob das nasschemische oder das Anodenschlammverfahren, beide Verfahren gelten als umweltverträglich, zur Anwendung kommt, war mir auf die Schnelle herauszufinden nicht möglich. Ich bleibe dran!

Der Wärme entgegen

25. Mai 2024

Heute werde ich Norwegen und die Fjorde verlassen. Einerseits schade, andererseits reicht es jetzt aber auch mit Kälte, Schnee und vegetationsloser Landschaft. Bis Laksälv fahre ich auf der E6 Richtung Kirkenes und dann weiter über Kasajok nach Inari. So wirklich gibt es auch hier noch nicht viel Vegetation. Der Fluss mäandert durch triste Birkenwälder, am Ufer des Laksälv türmen sich die Eisschollen. Um mich herum nur Sumpf, braune Birkenwälder, in denen noch nicht einmal ansatzweise der Frühling erkennbar ist. Birken, so weit das Auge reicht. Hier und da steht eine Hütte, vor der sich Berge von Schrott und Müll befinden. Wie auf meiner ersten Reise in den hohen Norden Lapplands merke ich, wie mich diese Landschaft herunterzieht. Wie mag das erst im Winter sein? So fahre ich mit siebzig km/h etwa zwei Stunden über die Straße und immer seltener werfe ich einen bewussten Blick in die Landschaft.

Aber plötzlich bemerke ich eine Veränderung. Ich sehe Grün! Die kahlen Birkenwälder sind nun mit Fichten durchsetzt, wie gut das den Augen tut! Und auch die Sonne kommt heraus. Je weiter ich gen Süden fahre, desto gemischter wird der Wald.
Die Grenze nach Finnland ist nicht besetzt, was meine Gedanken darauf lenkt, wie dankbar wir der Idee Europe sein können. Wir bewegen uns frei und ohne Grenzen von einem Land ins andere, wobei sich nur die Sprachen ändern und die Währung und wenn man genau hinschaut, ändert sich auch das Lebensgefühl der Menschen. Man sagt den Finnen ja nach, sie seien das glücklichste Volk der Erde. Ich bin gespannt, wie sich mir diese Zuschreibung zeigt. Währungen spielen beim Reisen durch Europa immer weniger eine Rolle, denn immer mehr setzt es sich durch, dass man ausschließlich mit Karte zahlt. Kein Schauen nach günstigen Wechselkursen, kein Herumrätseln nach dem Wert der Scheine und Münzen. Es ist fast nicht zu glauben, aber ich habe auf meiner Reise, außer im deutschen Teil meiner Tour noch nicht einen einzigen Cent Bargeld gebraucht.

Ab jetzt wird es schwierig mit der Sprache. Die Schilder sind ausschließlich auf Finnisch und Samisch und beide haben keinerlei Ähnlichkeit mit uns bekannten Sprachen. Da hilft jetzt nur der Google Übersetzer. Mit der Währungsumrechnung gibt es dagegen kein Problem. Hier gilt der Euro. Diesel kostet um die 1,80 Euro, ein Brot 3 Euro, die 0,33er Dose Bier, kostet etwa 2 Euro. Also alles nicht mehr so schlimm. Anders verhält es sich, wenn man essen geht. Hier scheinen mir die Preise doch deutlich höher als in Norwegen. Bei Inari finde ich etwas abseits gelegen einen wunderschönen Platz für die Nacht am Fluss Juutuanjoki. Endlich kann ich Tisch und Stuhl aufstellen, ohne zu frieren. Von hier aus gehen einige Trails in den Wald. Nun ist meine Zeit gekommen. Nur mit Sportsocken (ihr erinnert euch, ich muss diesen elende Juckreiz loswerden, daher KEINE WOLLSTRÜMPFE) steige ich in meine leichten Laufschuhe und mache mich auf den Weg, der leider nach etwa einer Stunde im Sumpf endet. Durch die Schneeschmelze ist der Fluss ein gutes Stück über die Ufer getreten und macht von ab hier den Weg unpassierbar. Aus dem Sumpf starren mich dicke Glupschaugen an, die bei näherem Hinschauen zu dicken fetten Fröschen gehören. Bald wird der Wald vom Minnegesang der brunftigen Froschmänner erfüllt sein.


Das Wetter soll morgen gut werden. Vielleicht mache ich hier eine Sonntagspause. Vor dem Schlafengehen aktualisiere ich meinen Blog und werde morgen schauen, dass ich irgendwo ein WiFi finde.

Es ist Sonntag. Nach dem Frühstück suche ich mir ein neues Ziel, den es hat sich zugezogen und ist nicht so angenehm wie ich es mir gewünscht hätte. In einer nahen Tankstelle finde ich eine Gelegenheit, die Blogeinträge über das Netz zu schicken. Aber auch um eine etwas gründlichere Wäsche vorzunehmen, sowie die Annehmlichkeiten der sanitären Einrichtung zu nutzen.
Der Supermarkt hat geöffnet und so versorge ich mich mit ein paar Lebensmitteln für die nächsten Tage. Als ich den Laden verlasse, scheint mir die Sonne ins Gesicht und schlagartig ist es warm. Gute Bedingungen um doch noch an den alten Platz zurückzukehren, auf dem Weg noch ein wenig Feuerholz zu besorgen und einen faulen Tag zu machen. Ich grille mir zu Abendessen Chickenwings und verzichte auf das Feuer. Der Wind hat aufgefrischt und der Wald, in dem ich stehe, ist trocken. Meine App zeigt mir, dass für dieses Gebiet bereits wieder die Waldbrandgefahr Stufe zwei ausgerufen wurde. Nun, ich werde genug Gelegenheit finden, um das Holz in Asche zu verwandeln.

Ich streiche mir durch die Haare und es fühlt sich gar nicht gut an. Campingplatz ist am Dienstag angesagt, aber so lange möchte ich nicht mehr mit diesem Besen auf dem Kopf herumlaufen. Vorsichtig teste ich die Wassertemperatur des Flusses. Mann ist das kalt! Doch wer schön sein will, muss leiden. In Unterhosen wage ich mich in den Fluss, mache mir die Haare vorsichtig nass und massiere das Shampoo ein. Bis hierher ging’s gut. Das Spülen wurde unangenehm. Ich glaubte, die Kopfhaut würde zerspringen, meine Füße schmerzten vor Kälte, aber nach mehreren Anläufen war dann auch die letzte Seife herausgespült und jetzt kann ich mich wieder mit einem guten Gefühl der Menschheit zeigen.
Aber morgen geht es dann wieder weiter.

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