25. Mai 2024
Heute werde ich Norwegen und die Fjorde verlassen. Einerseits schade, andererseits reicht es jetzt aber auch mit Kälte, Schnee und vegetationsloser Landschaft. Bis Laksälv fahre ich auf der E6 Richtung Kirkenes und dann weiter über Kasajok nach Inari. So wirklich gibt es auch hier noch nicht viel Vegetation. Der Fluss mäandert durch triste Birkenwälder, am Ufer des Laksälv türmen sich die Eisschollen. Um mich herum nur Sumpf, braune Birkenwälder, in denen noch nicht einmal ansatzweise der Frühling erkennbar ist. Birken, so weit das Auge reicht. Hier und da steht eine Hütte, vor der sich Berge von Schrott und Müll befinden. Wie auf meiner ersten Reise in den hohen Norden Lapplands merke ich, wie mich diese Landschaft herunterzieht. Wie mag das erst im Winter sein? So fahre ich mit siebzig km/h etwa zwei Stunden über die Straße und immer seltener werfe ich einen bewussten Blick in die Landschaft.
Aber plötzlich bemerke ich eine Veränderung. Ich sehe Grün! Die kahlen Birkenwälder sind nun mit Fichten durchsetzt, wie gut das den Augen tut! Und auch die Sonne kommt heraus. Je weiter ich gen Süden fahre, desto gemischter wird der Wald.
Die Grenze nach Finnland ist nicht besetzt, was meine Gedanken darauf lenkt, wie dankbar wir der Idee Europe sein können. Wir bewegen uns frei und ohne Grenzen von einem Land ins andere, wobei sich nur die Sprachen ändern und die Währung und wenn man genau hinschaut, ändert sich auch das Lebensgefühl der Menschen. Man sagt den Finnen ja nach, sie seien das glücklichste Volk der Erde. Ich bin gespannt, wie sich mir diese Zuschreibung zeigt. Währungen spielen beim Reisen durch Europa immer weniger eine Rolle, denn immer mehr setzt es sich durch, dass man ausschließlich mit Karte zahlt. Kein Schauen nach günstigen Wechselkursen, kein Herumrätseln nach dem Wert der Scheine und Münzen. Es ist fast nicht zu glauben, aber ich habe auf meiner Reise, außer im deutschen Teil meiner Tour noch nicht einen einzigen Cent Bargeld gebraucht.
Ab jetzt wird es schwierig mit der Sprache. Die Schilder sind ausschließlich auf Finnisch und Samisch und beide haben keinerlei Ähnlichkeit mit uns bekannten Sprachen. Da hilft jetzt nur der Google Übersetzer. Mit der Währungsumrechnung gibt es dagegen kein Problem. Hier gilt der Euro. Diesel kostet um die 1,80 Euro, ein Brot 3 Euro, die 0,33er Dose Bier, kostet etwa 2 Euro. Also alles nicht mehr so schlimm. Anders verhält es sich, wenn man essen geht. Hier scheinen mir die Preise doch deutlich höher als in Norwegen. Bei Inari finde ich etwas abseits gelegen einen wunderschönen Platz für die Nacht am Fluss Juutuanjoki. Endlich kann ich Tisch und Stuhl aufstellen, ohne zu frieren. Von hier aus gehen einige Trails in den Wald. Nun ist meine Zeit gekommen. Nur mit Sportsocken (ihr erinnert euch, ich muss diesen elende Juckreiz loswerden, daher KEINE WOLLSTRÜMPFE) steige ich in meine leichten Laufschuhe und mache mich auf den Weg, der leider nach etwa einer Stunde im Sumpf endet. Durch die Schneeschmelze ist der Fluss ein gutes Stück über die Ufer getreten und macht von ab hier den Weg unpassierbar. Aus dem Sumpf starren mich dicke Glupschaugen an, die bei näherem Hinschauen zu dicken fetten Fröschen gehören. Bald wird der Wald vom Minnegesang der brunftigen Froschmänner erfüllt sein.
Das Wetter soll morgen gut werden. Vielleicht mache ich hier eine Sonntagspause. Vor dem Schlafengehen aktualisiere ich meinen Blog und werde morgen schauen, dass ich irgendwo ein WiFi finde.



Es ist Sonntag. Nach dem Frühstück suche ich mir ein neues Ziel, den es hat sich zugezogen und ist nicht so angenehm wie ich es mir gewünscht hätte. In einer nahen Tankstelle finde ich eine Gelegenheit, die Blogeinträge über das Netz zu schicken. Aber auch um eine etwas gründlichere Wäsche vorzunehmen, sowie die Annehmlichkeiten der sanitären Einrichtung zu nutzen.
Der Supermarkt hat geöffnet und so versorge ich mich mit ein paar Lebensmitteln für die nächsten Tage. Als ich den Laden verlasse, scheint mir die Sonne ins Gesicht und schlagartig ist es warm. Gute Bedingungen um doch noch an den alten Platz zurückzukehren, auf dem Weg noch ein wenig Feuerholz zu besorgen und einen faulen Tag zu machen. Ich grille mir zu Abendessen Chickenwings und verzichte auf das Feuer. Der Wind hat aufgefrischt und der Wald, in dem ich stehe, ist trocken. Meine App zeigt mir, dass für dieses Gebiet bereits wieder die Waldbrandgefahr Stufe zwei ausgerufen wurde. Nun, ich werde genug Gelegenheit finden, um das Holz in Asche zu verwandeln.
Ich streiche mir durch die Haare und es fühlt sich gar nicht gut an. Campingplatz ist am Dienstag angesagt, aber so lange möchte ich nicht mehr mit diesem Besen auf dem Kopf herumlaufen. Vorsichtig teste ich die Wassertemperatur des Flusses. Mann ist das kalt! Doch wer schön sein will, muss leiden. In Unterhosen wage ich mich in den Fluss, mache mir die Haare vorsichtig nass und massiere das Shampoo ein. Bis hierher ging’s gut. Das Spülen wurde unangenehm. Ich glaubte, die Kopfhaut würde zerspringen, meine Füße schmerzten vor Kälte, aber nach mehreren Anläufen war dann auch die letzte Seife herausgespült und jetzt kann ich mich wieder mit einem guten Gefühl der Menschheit zeigen.
Aber morgen geht es dann wieder weiter.