6. Juni
Heute setze ich meine Fahrt in Richtung Helsinki fort. Für Helsinki möchte ich mir ein wenig Zeit einplanen und so buche ich mir über das Internet eine Fähre für den 12. Juni. Wenn ich erst einmal auf dem Schiff bin und Skandinavien hinter mir lasse, bedeutet dies, dass ich den größten Teil meiner Reise hinter mir habe. Aber noch bin ich unterwegs in Finnland.
Wann immer es mir möglich ist, weiche ich von der Hauptroute, der E8, ab. Auf den kleinen Staatsstraßen fahre ich vorbei an den kleinen roten Holzhäusern, von denen eine Wärme ausgeht, die so charakteristisch für die Länder Skandinaviens ist. In jedem Fenster, das zur Straße hin ausgerichtet befindet sich ein Licht, das den ganzen Tag über leuchtet. Schon allein dies sorgt für eine sehr friedliche Atmosphäre. Die einzelnen Höfe stehen jeder für sich und weit voneinander entfernt und wieder drängt sich mir der Vergleich mit dem Norden Kanadas auf. Vieles ist sehr ähnlich, bis auf die Menschen. Besonders hier in Finnland fällt es mir schwer, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Selbst an der Bar versagt meine Kontaktaufnahme. Angesprochen werde ich meist nur vom Personal hinter dem Tresen und über ein woher und wohin, geht das Gespräch selten hinaus. Nicht einmal die Europawahlen animierten finnische Thekenbrüder dazu, das deutsche Wahlergebnis zu kommentieren. Auch, wenn ich während dieser Reise zumeist mit mir selbst zurechtkommen musste, so fühlte ich mich doch zu keinem Zeitpunkt einsam. Diskussionen focht ich mit mir allein aus und ich war mir ein ausgesprochen angenehmer Gesprächspartner.
Am Abend erreichte ich die kleine Hafenstadt auokka. Ein Übernachtungsplatz zum wilden Campen war hier nicht zu finden. Dafür zeigten mir meine Apps ein paar Möglichkeiten informeller Camper-Stellplätze, doch erwiesen sich diese als überaus uncharmant. Asphaltiert in direkter Nachbarschaft zu einem Bauhof zwischen hässlichen Häusern, das war nicht, was ich suchte. Doch dann entdeckte ich oberhalb des Hafenrestaurants einen geschotterten Platz mit Blick auf den Hafen und die Ostsee und… auf eine Theaterbühne.
Es wurde gerade für eine Aufführung am Wochenende geprobt und obwohl ich kein einziges Wort verstand, ist mir klar, dass es sich um eine Laienspielgruppe handelt. Es gab auch immer wieder Gesangseinlagen und allein die waren es wert, das Spektakel über mich ergehen zu lassen.
Es wird erstmals wieder dämmrig. Wie sehr ich mich nach Dunkelheit sehne!
Aus einem Zwischenstopp bis Helsinki wurden es dann doch zwei. Ich wollte ein Stück durch den Naturpark von Hierdunpolku wandern und außerdem erwartet mich dort in Railan Ranta eine Sauna direkt am Meer. Der Weg dorthin war beschwerlich. Acht Kilometer übelster Schotterpiste brachten mich zu einem Platz, der als sehr schön, mit Tisch und Bank und Plumpsklo beschrieben war. Einziger Fehler: Der Platz war geschlossen. Dafür gab es fünfhundert Meter davor die Möglichkeit auf einem Parkplatz zu stehen, auch für die Nacht. Die Wanderung war sehr schön, doch die Sauna blieb ein frommer Wunsch. Es ist Wochenende und da ist die Sauna ausgebucht. Pech gehabt. Aber wenigstens hatte ich die Wanderung immer am Ufer der Ostsee, durch Schilf und Wald. So war ich dann am Abend redlich müde.





Helsinki erreichte ich dann nach einem weiteren, unspektakulären Aufenthalt in Hanko. Es war zu spät um die restlichen zweihundert Kilometer nach Helsinki zu fahren. Doch zuvor machte ich mir noch einen schönen Tag in Turku. Der Besuch der Burg war nicht möglich, da in dieser Woche das Sommermusikfestival stattfindet und das heutige Konzert einer Heavy Metal Band angesagt ist. Schon beim Soundcheck ist mir klar, das ist nicht meins.







Doch dann, am 10. Juni war es endlich so weit. Helsinki, ich komme!