Die Fahrt zum Flughafen verläuft ohne große Aufregung. Noch immer fällt ein leichter Nieselregen vom Himmel, die Wolken hängen dicht über dem Wasser, geben die Sicht nur auf den Fuß der Berge preis. Ein wenig muss ich suchen, bis ich den gebuchten Parkplatz gefunden habe. Eingepackt in alle meine warmen Kleider, die ich nicht mehr im Rucksack untergebracht habe, stapfe ich dich wie ein Bär zum Terminal, liefere mein Gepäck ab und versuche meinen Laptop mit dem Flughafennetz zu verbinden. Fehlanzeige! Wegen Umbauarbeiten gibt es zurzeit kein öffentliches Netz. Kurz vor zwölf beginnt das Boarding und dann sitze ich am Fenster der Boeing 737 und hoffe, dass sich die Seitenwand während des Fluges nicht verabschiedet.

Start in Tromsö
Start in Tromsö

Für kurze Zeit taucht unter mir noch einmal Tromsö auf. Neben der Brücke sehe ich die Eismeerkathedrale und dann tauchen wir ein in graue Wolken, die wir bereits nach wenigen Minuten wieder verlassen, über mir der blaue Himmel, unter mir das weiße Wolkenmeer.

Es ist seltsam, das erste Mal fühle ich mich unwohl. Es ist nicht der Flug, aber es ist das Gefühl an meinem Ziel ein Fremder zu sein. Woher das Gefühl kommt, kann ich mir nicht erklären. Liegt es daran, dass ich anscheinend der Einzige bin, der nicht einer Reisegruppe angehört, oder daran, dass mir ohne meinen FidiBus das Stück Zuhause fehlt, dass mir schon in Kanada ein Gefühl der Geborgenheit vermittelte. Oder war es die Befürchtung, dass sich unter Umständen von meinen Plänen nichts realisieren lässt. Schließlich hatte ich von dem lokalen Veranstalter auf meine Wünsche noch keine Antwort erhalten. Den Grund meines Unwohlseins werde ich wohl nicht mehr ergründen.

Der Flieger geht in den Sinkflug. Wir durchstoßen die obere Wolkendecke und nun sehe ich schroffe Berge, und von der Sonne angestrahlt, blendend weißen Schnee. Sonst nichts. Nichts deutet darauf hin, dass hier Menschen wohnen. In abenteuerlichen Kurven umfliegen wir die Berge und nähern uns dem Flughafen von Osten. Dann tauchen die Erzminen, der Hafen und der Flugplatz auf und ich bin da.

Anflug auf Longyearbyen
Anflug auf Longyearbyen

Der Shuttlebus bringt mich in die Stadt, meine Unterkunft ist nur wenige Schritte entfernt. Von Chris werde ich freundlich in Empfang genommen und er zeigt mir mein Zimmer. Die gesamte obere Etage ist als Gästeetage mit zwei Bädern, einem gemütlichen Aufenthaltsraum mit großer, nach Süden ausgerichteter Fensterfront, einer Küche und vier Gästezimmern. Alles hell und freundlich eingerichtet. Mit mir wohnen noch zwei polnische Frauen im Gästehaus. Julia besitzt einen deutschen Pass, da sie in Deutschland geboren wurde, aber nur in ihrem ersten Lebensjahr in Deutschland lebte. Heute wohnt und arbeitet sie in Norwegen. Ihre Freundin Kinga kommt aus Polen und spricht nur polnisch und ein wenig englisch. So läuft die ganze Konversation über Julia

Es trifft sich gut, dass Chris und das Team von Polar Bear ein Reiseunternehmen im gleichen Haus betreiben, und so habe ich schon bald eine Liste von Aktivitäten für die nächste Zeit in den Händen.

Mein eigentümliches Gefühl ist noch nicht verschwunden, aber es ist schwächer geworden. Wie immer gehe ich noch einmal in die nahe gelegene Bar. Vielleicht kann ich hier ein paar erste Kontakte knüpfen. Es gibt keine Theke, alle sitzen an Tischen. Geschlossene Gruppen der diversen Reiseveranstalter. Ich setze mich an einen Tisch zu einem Herren, der sich ausschließlich seinem Handy widmete, begleitet von Knurren und Lauten der Entrüstung. Gespräch? Fehlanzeige!

Nach einem Bier habe ich genug von diesem Tag. Ich ziehe mich zurück und werde die Bequemlichkeit eines soliden Bettes genießen.
Morgen geht es los, dann werde ich die Stadt erkunden.