10. Juni 2024

Die Fahrt von Hanko nach Helsinki war lang und so komme ich erst am Abend in Helsinki an. Der Campingplatz liegt östlich der Stadt und er ist alles andere als schön. Camper steht an Camper nur getrennt durch eine Hecke. Aber er liegt strategisch günstig. Zur Metro laufe ich fünf Minuten und die Fahrt ins Zentrum dauert von hier aus zwanzig Minuten.
Gleich am frühen Morgen löse ich ein Helsinki Ticket, damit sind Stadtrundfahrt, Museumsbesuche und der ÖPNV inbegriffen. Den ersten Überblick verschaffe ich mir während der Fahrt mit einem HopOn HopOff Touribus. Die während der Fahrt gegebenen Erläuterungen sind jämmerlich. Ich komme zu dem Schluss, dass sich die Tour nicht lohnt. Interessanter ist da schon eine Bootstour durch die Inselwelt, die der Stadt vorgelagert ist. Zwischen malerischen Inseln, die Künstlern als Domizil galten und deren wunderschöne Holzvillen noch heute kein fließendes Wasser und elektrisches Licht haben und durch schmale Kanäle fahren wir etwa zwei Stunden. Stehen auf den einen Inseln die alten Prachtvillen, so befinden sich auf anderen moderne Bauten, teils Bungalows, teils mehrstöckige Häuser, deren Mieten sicherlich ein vielfaches dessen beträgt, was ein Normalverdiener im Monat verdient. Dafür bekommt man jedoch eine tolle Aussicht auf das Meer und eine verglaste Veranda, deren Glaswände je nach Bedarf verschoben werden können.
Ach ja, würde ich noch einmal geboren, so würde ich alles daran setzen reich zu werden. Das Leben lässt sich dann doch ganz anders gestalten. Nach der Rückkehr in den Hafen mache ich mich zu Fuß auf den Weg durch die Stadt. So viel hat die Stadtrundfahrt dann doch gebracht, dass zumindest eine Orientierung habe, was ich mir anschauen möchte.
Mein erster Weg führt mich in die Markthalle. Im Prinzip handelt es sich um eine Ansammlung vieler Bars, Bistros und Restaurants, die in etwa alle das gleiche Angebot zu bieten hatten. Es ist ein Markt der Gastronomen.
Doch wenn es schon mal so ist, dann kann ich hier auch die berühmte finnische Lachssuppe essen und die ist wirklich ein Genuss. Gesättigt und mit neuem Elan schlendere ich durch die Esplanaden.

Dies sind vier parallel verlaufende Straßen, die Shopping-Mall. Zwischen ihnen befindet sich ein schöner Park und da das Wetter heute schön ist, ist der Park voller Menschen, die die Sonnenstrahlen einfangen. Ich würde ja gerne ein Eis essen, aber bei vier Euro fünfzig für eine Kugel sträubt sich selbst mein innerer Schweinehund. Vorbei geht es an dem Theater, einer weiteren Markthalle, schöner als die am Hafen gelegene, aber auch sie beherbergt ausschließlich diverse gastronomische Betriebe. Ich gönne mir ein Bier und mache mich auf den Rückweg. Durch immer wieder neue Querstraßen komme ich zum Jugendstil Viertel. Es ist nicht gerade sehr viel, aber es ist dennoch beeindrucken. Um sieben Uhr bin ich wieder in den Esplanaden und dem Park und da heute auch Musik-Sommerfestival ist, spielt in einem Konzertpavillon eine finnische Folk Band. Sie haben gerade angefangen und die Musik gibt mir ein gutes Gefühl. Ich bleibe bis zum Schluss. Streune dann noch ein wenig durch die Gassen zur orthodoxen Kirche, die hoch über der Stadt auf einem Fels errichtet wurde, von dort zum Domplatz und dann zurück, durch einen in den Fels geschlagenen Tunnel in die U-Bahnstation der Metro. Um zehn Uhr falle ich todmüde und mit schmerzenden Füßen und Knien in meinen FidiBus. Es war ein schöner, wenngleich anstrengender Tag.
Mein nächstes Ziel ist Tallinn. Also dann, Gute Nacht.